Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Für kritische Infrastrukturen rücken zunehmend außergewöhnliche Lastfälle aus dem Spektrum hybrider Bedrohungen, des Terrorismus sowie konventioneller Waffenwirkungen in den Fokus. Hierzu zählen unter anderem Sabotageakte ebenso wie gezielte Angriffe mit militärischen Wirkmitteln. Vor diesem Hintergrund gewinnt der bauliche Schutz exponierter Infrastrukturen an strategischer Bedeutung im Sinne einer gesamtstaatlichen Resilienz und Gesamtverteidigung.
Der Beitrag stellt ausgewählte Forschungs- und Entwicklungsarbeiten eines ingenieurwissenschaftlichen Instituts vor, die sich mit der Anpassung von Bauwerken an außergewöhnliche Einwirkungen insbesondere Waffenwirkungen befassen. Hierzu zählen Arbeiten zur Entwicklung bedrohungsangepasster Bemessungsansätze für adaptive bauliche Schutzsysteme im Rahmen des Forschungsprojekts BASIS ebenso wie Untersuchungen zur Bedrohungsanalyse im Kontext von C-UAS und zur Entwicklung netzbasierter Schutzsysteme für zivile und militärische Anwendungen. Ergänzend werden experimentelle und numerische Untersuchungen zur Resttragfähigkeit von Schraubenverbindungen nach Explosionsbeanspruchung dargestellt. Großmaßstäbliche Versuche zur Ansprengung einer Stahl-Verbundbrücke liefern darüber hinaus neue Erkenntnisse für die Bewertung und schnelle Einstufung beschädigter Brückenbauwerke. Weitere Forschungsarbeiten adressieren den Einsatz neuer Materialien und Fertigungstechnologien, insbesondere additiv gefertigter Betonelemente, hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Kontaktdetonationen.
Die vorgestellten Arbeiten verdeutlichen, dass ein wirksamer Infrastrukturschutz eine integrative Betrachtung erfordert, die ingenieurtechnische Lösungen mit einer systematischen Bedrohungsanalyse verknüpft. Ziel ist die Entwicklung robuster und zugleich anpassungsfähiger Strukturen, die sowohl zivilen Anforderungen als auch militärisch geprägten Szenarien gerecht werden.